Statement AZ Kim Hubert

Am 20.11.2025 wurde auf Indymedia der Text „Call Out: AZ Salzwedel – Täterschutz & entfesseltes Patriarchat“(https://de.indymedia.org/node/553862) veröffentlicht, der den Umgang mit einer Betroffenen Person von der Struktur und (ehemalig aktiven, sowie aktiven)
Einzelpersonen des AZ Kim Hubert in Salzwedel darstellt und zu Recht kritisiert. Am 18.12.2025 wurde ein weiterer Text auf Indymedia “Was im AZ Salzwedel im Monat seit dem Call Out passiert ist: (fast) nichts“ (https://de.indymedia.org/node/561438) veröffentlicht, der das Verhalten nach dem Outcall darstellt, zusammenfasst und Kritik daran übt.

Zunächst erkennen wir die Beschreibung und Geschehnisse in den beiden Texten als real/wahr und so passiert an.
In den zwei letzten Jahren wurden in verschiedenen Gruppen-Konstellationen immer wieder Alleingänge unternommen, anstatt sich Support und Wissen von außen zu holen. Patriarchale Haltung und Blick führten zu Verletzungen der betroffenen Person. Außerdem haben sich Gruppen abseits des Hausplenums gebildet, in deren Existenz viele Aktive des Projekts nicht eingeweiht waren.
Wir wollen die Transparenz, welche Gruppen im Namen des Hauses agieren, innerhalb unserer eigenen Struktur wieder aufbauen.

Wir stehen in Kontakt mit der betroffenen Person, welche auf dem Laufenden gehalten wird, was im AZ passiert und wie unsere Prozesse vorangehen.
Mit diesem Text wollen wir unsere Aktuellen Prozesse nicht verschönert darstellen, sondern ein realistisches Bild zeichnen.

Wir finden es nicht in Ordnung, wenn die betroffene Person aufgrund
der Veröffentlichung des Callouts verletzende Nachrichten oder Begegnungen erfährt. Die betroffene Person trägt keine Schuld, was dieser in der Zeit widerfahren ist, sondern die Menschen, die dieses Leid bei der betroffenen Person auslösten. Die Veröffentlichung des Callouts hat
uns alle auf den gleichen „Kenntnissstand“ gebracht, so konnten wir erfahren, welche Vorkommnisse wann passierten.

Für unsere Struktur ist der Callout eine Chance, zu lesen und selbst zu erkennen, wo wir verletzt und uns (die Personen, die zu der Zeit vor Ort waren,) falsch verhalten haben. Er ist eine Chance, ein safer place zu werden.
Ein Projekt, in dem sich betroffene Personen wieder wohlfühlen und mitgestalten können. Und es ist eine Chance, dass alle Aktiven des Projektes dazulernen und sensibler im Umgang miteinander werden.

Um die Feiertage im Dezember herum, fand ein Treffen statt, das erneut verletzend für die betroffene Person war. Was wir nun verstehen. Die Einladung zu einer „Vollversammlung“ wurde auch an unsolidarische Personen gesandt. Dies machte es der betroffenen Person unmöglich dort hinzugehen, da keine Art von sicherem Raum gegeben war.

Der erste Gedanke, sich mit den Personen, die einst im AZ aktiv waren und uns in unserem Prozess unterstützen könnten, zu treffen, hörte sich erst gut an. Ein Treffen, durch welches neuere Personen, ehemals Aktive kennenlernen können. All dies geriet fälschlicher Weise in den Vordergrund. Doch es waren Personen eingeladen, die in den Gruppen arbeiteten, die im Callout genannt wurden und somit zu Verletzungen der betroffenen Person beitrugen.

Diese Versammlung in dieser Form abzuhalten war falsch. Solidarische Personen, die sich trotz großer Zweifel und Sorge zu dem Treffen begaben, teilten uns dies auch mit. Wir müssen als jetzige Aktive einen eigenen Weg finden. Nicht die Fehler wiederholen, alles irgendwie „do it yourself“ hinbekommen zu wollen und sich keine professionelle Hilfe von
außen zu suchen.

In der nächsten Zeit kamen Hilfsangebote von externen Personen, um mehr über den Umgang mit Betroffenen sexualisierter Gewalt zu lernen, die Einzelpersonen wahrnahmen und wahrnehmen.

In dieser Zeit fand nur unregelmäßiger Chatkontakt zwischen dem Plenum und der betroffenen Person statt. Dieser Kontakt war nicht ausreichend oder transparent genug. Die Vorkommnisse wurden nicht regelmäßig beschrieben und wenn, meistens ohne Einordnung. Unsere Nachrichten
enthielten zu viele Entschuldigungen und Lippenbekenntnisse.
Heute ist uns bewusst, dass unser Handeln hier am meisten zählt.

Im Januar und Februar hielten wir 2 der halbjährigen (Tages-) Strukturplena ab. Darin beschäftigten wir uns erstmals mit den Forderungen, die in dem Callout stehen.

Aus zwei der Forderungen haben wir erkannt, dass wir eine gemeinsame festgehaltene Basis brauchen, die absteckt, was für einen Raum wir schaffen wollen und was unser Grundkonsens beinhaltet. Wir erarbeiten also ein Selbstverständnis. Dazu treffen wir uns fast monatlich mit einer externen Person, die diesen Prozess moderiert und uns hilft, unsere Interessen zusammenzuführen. Das Arbeiten am Selbstverständnis ist eine
unserer Prioritäten im Moment. Dadurch wollen wir auch Fokus auf den Umgang miteinander legen. Wir versuchen, Strukturen für ein umsichtigeres und gewaltpräventiveres Miteinander aufzubauen.

In den Monaten davor bemühten wir uns um Treffen mit Mitgliedern des “Jugendkollektiv Salzwedel”, moderiert durch dieselbe Person, die auch das Selbstverständnis später mit uns erarbeitet. Diese Treffen wurden angestoßen, um über die strukturellen Verletzungen in dem Zeitraum rund um die Demo, die die Gruppe “Antifa Salzwedel” im Sommer organisierte, zu reden. Durch schwammige Kommunikation des JKS, unsere Prioritätensetzung bzgl des Outcalls fanden wir einen Entschluss. Die Zusammenarbeit mit dem JKS (, wenn diese jemals existierte,) ist bis auf Weiteres ausgeschlossen und mit autoritären Gruppen grundsätzlich abgelehnt.

Der Forderung des Callouts, welche die damals geltende Hausverbotsregelung kritisiert, sind wir nachgegangen. Es gibt also kein temporäres Hausverbot mehr und auch keins, das von (gewaltausübenden) Personen persönlich auf dem Hausplenum angefochten werden kann.
Personen, die Hausverbot haben, bleiben vor der Tür. Es ist ein Beschluss, der den betroffenen Personen grundsätzlich ermöglichen soll, das Eingangstor hinter sich zu schließen und die Gefahr bzw. die gewaltausübende Person draußen zu lassen.

Des Weiteren hat sich eine Gruppe aus dem Strukturplenum gebildet, die nun dabei ist einen “Leitfaden zum Umgang mit Betroffenen” zu erarbeiten.

Für April wurde ein Konzert geplant, da Oidorno an uns ran trat, noch dazu wurden weitere feministische Bands angefragt. Einige Leute knieten sich sehr in die Planung des Konzerts, neuere Leute hatten richtig Bock auf das Konzert im AZ. Ein paar Wochen davor merkten wir, auch dadurch, dass Personen von außen an uns herantraten,  dass unser Agieren nicht in Ordnung ist. Wir veranstalten ein Konzert, eine Party mit feministischen Bands, während die betroffene Person das Projekt nicht betreten kann und so noch weiter sozial isoliert wird. Wir entschieden, keine weiteren Veranstaltungen mehr stattfinden zu lassen, auf denen gefeiert und Party gemacht wird, bis die betroffene Person sich wieder wohlfühlen kann, das AZ zu betreten, bzw. ein Teil davon sein und mitgestalten kann. Damit wollen wir keinesfalls Druck auf die betroffene Person ausüben, sondern den Fokus auf einen sichereren Raum und eine sicherere Struktur legen.

Zeitgleich erreichte uns ein Brief der Entsolidarisierung, der auf die soziale
Isolation der betroffenen Person, unter anderem durch das Konzert, hinwies und weitere Unterstützung verweigerte, bis sich die betroffene Person wieder im Haus wohlfühlen und partizipieren kann.

Wir begannen also unsere Prioritäten anders zu strukturieren und neben dem
Selbstverständnis weitere interne Prozesse anzustoßen. Das Klima auf dem Plenum änderte sich, da immer mehr Menschen die Wichtigkeit unseres Handelns für die betroffene Person verstanden.

Unser Ziel ist es, dass die Struktur zukünftig besser auf solche Vorfälle vorbereitet und handlungsfähig ist.

Die Woche darauf einigten wir uns eine externe Beratung anzufragen.
Ein erstes Treffen zum Kennenlernen und Möglichkeiten zu besprechen fand statt.

Darauf folgte ein erstes richtiges Update für die betroffene Person vom Plenum aus. Auf dem Plenum bildete sich in Absprache mit der betroffenen Person eine Kontaktgruppe, die zwischen dem Hausplenum und der betroffenen Person Updates gibt. Das macht die Kommunikation persönlicher und die betroffene Person kann neuere Personen aus dem AZ gleich besser kennenlernen.
Durch das erste Treffen zwischen Kontaktgruppe mit der betroffenen Person, konnte diese das AZ erstmals wieder betreten.

Seit Anfang April haben wir als Hausplenum die Entscheidung getroffen, zwei Personen, die auch in dem Callout explizit mit ihrem verletzenden Verhalten beschrieben wurden, nur noch in Absprache mit dem Plenum das AZ betreten zu lassen. Die Intransparenz darüber, dass sie der ersten Gruppe zugehörig waren, die gegenüber der betroffenen Person so verletzend arbeitete, ließ das Vertrauen der neueren Personen in der Struktur schwinden. Wir tragen als Projekt die Forderung der betroffenen Person mit: In Worten des Callouts: „Aufarbeitung der fortgesetzten Gewalt gegen die betroffene
Person durch die „Bearbeitungsgruppe“(…)“.
Des Weiteren wollen wir, dass sich diese zwei Personen eine externe Prozessbegleitung bezüglich ihrer Intransparenz, täter*innenschützenden und betroffenenverletzenden Verhaltens suchen.

Wir sprechen hiermit unsere Solidarität mit der betroffenen Person aus, auch wenn wir gerade erst immer mehr lernen, was es genau heißt, wirklich solidarisch zu sein und dies in unserem Handeln zu leben. Wir wollen keine Lippenbekenntnisse mehr abgeben und uns damit beschäftigen, was bei uns auf struktureller Ebene verletzend war. Auch wollen wir uns als Einzelpersonen dafür sensibilisieren, patriarchale Strukturen, gewaltvolles Handeln zu erkennen und zu hinterfragen. Wir wollen parteiisch an der Seite
von Betroffenen stehen. Uns ist bewusst, dass uns dieser Prozess lange begleiten wird und ein ständiges Aushandeln, bzw. Hinterfragen bedeutet.

Unser Ziel ist es, das AZ KH zu einem sichereren Raum werden zu lassen. Die betroffene Person soll sich wieder wohl fühlen, das Projekt betreten und mitgestalten können. Zudem wollen wir, dass das AZ ein angenehmerer Ort wird.

80. Jahrestag der Befreiung des KZ Salzwedel am 14.4.45

Ausstellung zum Jahrestag der Befreiung im Innenhof des AZ Salzwedel // Es gibt Getränke gegen Spende und Sitzgelegenheiten.

Theaterstück „Ich lebe doch noch! “ im Innenhof des AZ // mit dem theater odos

Ankündigung:
„Die wahre Geschichte von Hanna Mandel und ihr Leben nach Auschwitz.

Eine Frau spricht über ihre Kindheit, über ihre sieben Geschwister. Besonders die jüngste Schwester liebt sie sehr. Aber dann verliert Hanna Mandel ihre gesamte Familie in Auschwitz. Sie selbst überlebt mehrere Konzentrationslager.

Aber das Theaterstück über die wahre Geschichte von Hanna Mandel ist mehr als eine Vergangenheitsbewältigung der Gräueltaten der Nazis.

Der Münchener Theologe Norbert Reck hat die Auschwitz-Überlebende Hanna Mandel interviewt und das Gespräch in dem Buch „Beim Gehen entsteht der Weg – Gespräche über das Leben vor und nach Auschwitz“ veröffentlicht. Mandel reflektiert in diesem Gespräch intensiv ihre Erfahrungen und beschreibt die Schlussfolgerungen, die sie für ihr eigenes Leben daraus gezogen hat. Das Buch von Norbert Reck endet nicht mit der Befreiung der Konzentrationslager. Im Gegenteil. Da fängt die Geschichte von Hanna Mandel erst an.

Denn nach der Befreiung hört das Grauen für ehemalige KZ-Insassen nicht auf. Hanna erzählt, wie die schrecklichen Erlebnisse ihr weiteres Leben beeinflusst haben. Hanna steht in dem Theaterstück einer unbekannten Frau gegenüber und erzählt mit unverblümter Ehrlichkeit von ihren Gefühlen: Als das KZ Salzwedel, in dem sie zum Schluss war, von den Amerikanern befreit wird, geht Hanna mit den anderen Insassen durch das Tor in die Freiheit. Aber sie sucht nicht nach Essen oder Kleidung in der angrenzenden Stadt. Sie will ein deutsches Kind töten als Rache für ihre kleine Schwester, die von den Nazis ermordet wurde…

In dieser Schilderung stecken die widerstrebenden Gefühle von Hanna – und vielleicht jedes Überlebenden. Wut, Trauer, Vergeltung, Unglaube und Gerechtigkeitssinn überlagern sich, wechseln sich ab, verbinden sich zu einem der heftigsten psychischen Cocktails, den ein Mensch empfinden kann.

Nach und nach beginnt Hanna ihr Leben zu ändern. Sie hinterfragt die Religiösität ihres Mannes, die Rolle der Frau in der Gesellschaft und führt schließlich ein selbstbestimmtes Leben. Und als sie im Fernsehen eine Trauerfeier zur Erinnerung der Holocaust-Opfer sieht, sagt Hanna: “Aber ich lebe doch noch!” Denn als Überlebende mit all ihren Traumata fühlt sie sich vergessen.

Ein Theaterstück, dass die Kindheit in einer jüdischen Familie, den Holocaust und das Leben mit den Erfahrungen in den Konzentrationslagern zu einem einfühlsamen und nachdenklichem Erlebnis verbindet.“

Konzert ll Hc Baxxter und Lafftrak ll 17.5.

Schon wieder nen Konzert im AZ?! Und das auch noch während des Gorlebentages…
So dachten wir auch kurz, aber für Hc Baxxter und Lafftrak können wir da schonmal eine Ausnahme machen. Am 17.5. habt ihr also die einmalige Chance mal ne kurze KLP Pause zu machen und zu trashigen Kirmestechno, DIY Hardcore-Punk und Elektropunk im Dinolook abzusteppen. Türen gehen um 20 Uhr auf und Spendenempfehlung sind 5-8€. Bringt alle euren Großstadtbesuch mit in die Altperverstr. 32/34, wir freuen uns!

HcBaxxter: https://hcbaxxter.bandcamp.com/

Lafftrak: https://lafftrak.bandcamp.com/album/gr-ner-wirds-nicht

13.Okt I Podiumsgespräch und Diskussion: Aufwachsen unter dem Eindruck von Nazigewalt

Podiumsgespräch und Diskussion: Aufwachsen unter dem Eindruck von Nazigewalt – Antifas erzählen von früher

Pöbeleien, Drohungen, nächtliche Verfolgungsjagden, Schläge, Tritte, Einbrüche, Steinwürfe, Messerstiche, Krankenhausaufenthalte – so mancher, der sich in der Antifa organisiert, blickt auf Jugendjahre unter dem Eindruck massiver Nazigewalt zurück. Wie fühlt sich das an? Und was hat das mit ihnen gemacht? Bei unserem Podiumsgespräch mit anschließender Diskussion erzählen drei Antifaschist*innen von ihrem Großwerden, ihrer Politisierung – und ihren Begegnungen mit den Schläger*innen der radikalen Rechten. So gemeinsam den Dreien die prägende Erfahrung ist, so unterschiedlich waren die Orte und Zeiten, an denen sie ins Visier der raumnehmenden Nazigewalt gerieten. Ob westdeutsche Kleinstadt in den 90ern, das Ruhrgebiet zur Hochphase der „Autonomen Nationalisten“ oder Salzwedel vor wenigen Jahren: Nazi-Ideologie läuft immer darauf hinaus, dass politische Gegner*innen und alle Menschen, die nicht ins Bild der „Volksgemeinschaft“ passen, zum Abschuss freigegeben werden. Davon berichten unsere Podiumsgäste genau so wie von der beflügelnden Erfahrung antifaschististischen Widerstands und praktischer Solidarität – Erfahrungen, wegen denen sie sich bis heute in der Antifaschistischen Aktion engagieren. Im Anschluss an die biographischen Erzählungen wird das Gespräch zu einem offenen Austausch mit dem Publikum erweitert.

13. Oktober 2023 // 19:00 Uhr // Autonomes Zentrum Kim Hubert

Altperverstraße 32/34, 29410 Salzwedel

 

27.Okt I Lesung & Buchvorstellung „Männlichkeit verraten“

Männlichkeit verraten!
Lesung & Buchvorstellung mit Kim Posster

Wie lässt sich „die Männerfrage“ emanzipatorisch beantworten?

Das Verhältnis von Männlichkeit, Männern und Feminismus wird so intensiv diskutiert, wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Konzepte wie ‚Profeminismus‘ und die Geschichte der antisexistischen Männerbewegung werden wiederentdeckt und sollen neu belebt werden. Besonders das Schlagwort ‚kritische Männlichkeit‘ versammelt neue Ansätze und Gruppen, die das Verhältnis von Männlichkeit und feministischer Kritik bestimmen und praktisch angehen wollen. Was eigentlich Grund zur Hoffnung geben sollte, stellt sich bei genauerem Hinsehen aber oft als bloße Fortsetzung der Katastrophe heraus.

Denn die neu entflammte Debatte und Praxis zur Kritik an Männlichkeit wird von popfeministischer Lebensberatung, dem innerlichen Moralismus des Privilegiencheckens und dem verzweifelten Versuch dominiert, cis Männern feministische Kritik irgendwie schmackhaft zu machen. Vor allem das, was unter dem Label ‚kritische Männlichkeit‘ geschieht, ist nicht viel mehr als ein hoch individualisiertes Programm zur Resouveränisierung verunsicherter (cis) Männer. Feministische Kritik wird sich dafür im schlechtestmöglichen Sinne einverleibt, damit ihre Konsequenzen weiter ausgesessen und unterlaufen werden können – nur diesmal mit dem ‚korrekten‘ Vokabular und einer profeministischen Pseudo-Praxis.

Männlichkeit verraten! bricht mit allen Versuchen der einhegenden Versöhnlichkeit und geht in die Konfrontation. Der provokante Essay ist das Ergebnis von über fünf Jahren Frust, Enttäuschung und analytischer Wut über (eigene) Männlichkeit; darüber, wie sie in der Linken herrscht und wie gerade der neue Profeminismus auf sie eingeht. Er verbindet dafür Beobachtung und Polemik, Analyse und Intervention, Theorie und Praxis – in der Hoffnung auf eine organisierte Männlichkeitskritik, die Männlichkeit weder erkunden noch stärken will. Stattdessen soll sie organisiert und institutionalisiert zum konkreten Problem gemacht werden, zu dem die real existierenden Männer ein bewusstes und politisches Verhältnis einnehmen müssen.

27.10.2023 // 20 Uhr // Autonomes Zentrum Kim Hubert

Altperverstraße 32/34, 29410 Salzwedel

 

23. Sep I Theaterstück „Im Dienste der Gerechtigkeit“

Diesen Herbst organisiert die Antifaschistische Vernetzung Sachsen-Anhalt  zusammen mit dem Antifaschitischen Kollektiv Stendal eine Veranstaltungsreihe in Stendal. In Salzwedel unterstützen wir diese Reihe mit dem politisches Theaterstück „Im Dienste der Gerechtigkeit“:

„Das Leben hinter Gittern. Die Monotonie der Justizvollzugsanstalt. Totaler Kontrollverlust über den Alltag und die Allmacht der Schließer*innen. Sicher verwahrt und unsichtbar hinter hohen Mauern. Zwischen Ausbruchsfantasien und Beklemmung wühlt sich das Theaterstück durch monotone, sich wiederholende Gefängnisabläufe.Ein Mosaik, auf wahren Geschichten beruhend, wirft kurze Blicke hinter die Fenster von vergitterten Leben. Einsamkeit, Langeweile und Freund*innenschaften.

Dokumentartheater, Tanz, Clowns und Live-Musik. Entwickelt, inszeniert, vertont, gespielt und beleuchtet von les_copines.“

Der Spielort befindet sich nicht in Stendal, sondern im Autonomen Zentrum Kim Hubert in Salzwedel.

Das Theaterstück wird draußen stattfinden, also achtet auf das Wetter. Ansonsten freuen wir uns, wenn ihr zahlreich erscheint und das Stück gemeinsam mit uns genießt!

Beginn 21 Uhr, AZ Kim Hubert in Salzwedel, Altperverstraße 32/34, 29410 Salzwedel

Beachtet auch alle weiteren Veranstaltungen der Reihe. Mehr Infos dazu hier.

 

 

15. April l Punkkonzert

Gleich 3x Punk erwartet euch am 15.4. im AZ Kim Hubert! In die Altperverstr. 32/34 kommen SOKO METTIGEL aus Hamburg, MAD MONKEY MASSACRE aus Flensburg und HABGIER aus Neubrandenburg. Einlass ist ab 20 Uhr die Spendenempfehlung sind 5-8€. Bitte kommt getestet, wir freuen uns auf euch! -..-

18. März l Infoveranstaltung zum Tag der politischen Gefangenen

FREIHEIT FÜR MUMIA  ABU-JAMAL!

FREIHEIT FÜR ALLE POLITISCHEN GEFANGENEN!

+++ Infoveranstaltung zum Tag der politischen Gefangenen +++

18.03.2023 // 18 Uhr // AZ Kim Hubert // mit Vokü // Kommt getestet // Organisiert von der Roten Hilfe OG Salzwedel

Infotext in den Kommentaren.

Mumia Abu-Jamal – afroamerikanischer Journalist – Mitbegründer der Black Panther in Philadelphia – seit 1981 politischer Gefangener in den USA .

Seit nunmehr 42 Jahren ist Mumia nun eingesperrt. Vielen ist sein Gesicht und sein Name ein Begriff, gilt er doch als einer der bekanntesten politischen Gefangenen.

Sein Verfahren – ein typischer Fall politischer Repression und Klassenjustiz. Durch seine Verurteilung sollte der unbequeme und unbeugsame Journalist ein für allemal zum Schweigen gebracht werden. Sein Prozess, in dem nicht mal „Mindeststandards für rechtsstaatliche Verfahren gewahrt wurden“ – so Amnesty International – eine Farce,  geprägt von Rassismus, unterschlagenen Beweisen, fingierten Zeugen  – in dem seine Verurteilung von vorn herein feststand. Juristisch gibt es keine haltbaren Vorwürfe gegen ihn. Ursprüglich, zum Tode verurteilt, konnte durch eine weltweite Solidaritätsbewegung drei mal Mumias Hinrichtung verhindert werden.

Seit über 40 Jahren setzt sich die Solidaritätsbewegung unermüdlich für seine Freiheit ein, wobei es nie nur um ihn als Einzelperson und sein Einzelschicksal ging. Die USA sind inzwischen Weltmeister im Inhaftieren. Mehr als 2.300.000 Männer und Frauen – 25 % aller Gefangenen in der Welt – sind in US-Gefängnissen. Kein anderes Land der Welt, nicht einmal China mit mehr als viermal so vielen Einwohnern, hat so viele Gefangene. In den USA gibt es inzwischen mehr Gefangene als Bauern, von denen ein Großteil Afroamerikaner:innen sind. In etlichen seiner Beiträge und Büchern, die er seit seiner Verhaftung verfasste, hat Mumia Abu-Jamal darüber berichtet und das damit einher gehende us-amerikanische Modell des „gefängnisindustriellen Komplex“ thematisiert, und als aktuelle Variante der Sklaverei gebrandmarkt.  Desweiteren hat er in seinen zahlreichen Artikeln und Büchern die strukturelle rassistische Polizeigewalt, den Klassenkampf von oben und kriegerische Außenpolitik in den Fokus gerückt. Wegen seiner bedingungslosen Parteinahme für die Betroffenen von Gewalt und Armut ist er unter anderem auch als  „The Voice of the Voiceless“ (die Stimme der Unterdrückten) bekannt.

Derzeit stehen die juristischen und politischen Bemühungen für seine Freilassung mal wieder an einem entscheidenen Punkt – worüber auf der Veranstaltung ausführlich berichtet werden wird.

Free Mumia – Free Them All!

24. März l Vortrag und Diskussion l Zum Fortleben sexueller Gewalt in linken Räumen

Vortrag und Diskussion: ZUM FORTLEBEN SEXUELLER GEWALT IN LINKEN RÄUMEN
24.03. im AZ Kim Hubert, Altperverstr.32/34. Einlass ist ab 18 Uhr, bitte kommt getestet. Während der Veranstaltung gilt Maskenpflicht.

Aufgeklärte Kreise und linke Milieus gerieren sich gern als Gegenpol zu Phänomenen wie Rassismus, Sexismus, Homophobie oder Antisemitismus. Schilder in linken Läden lassen etwa verlauten, Sexismus werde hier schlicht nicht geduldet. Doch warum hält sich etwa sexuelle Gewalt so hartnäckig in diesen Kreisen? Davon zeugen nicht zuletzt die ständigen Auseinandersetzungen, die vor allem Frauen zum Beispiel mit ehemaligen Partnern führen müssen. Diese Konflikte bilden jedoch nur die Spitze des Eisbergs dessen, was in den Betten dieses „aufgeklärten Milieus“ vor sich geht.

So ist das Erleben von Mitgliedern linker Szenen stark geschlechtlich getrennt: während sich Männer frei heraus um wichtige politische Anliegen, Demos, Aktionen und Strategien kümmern können, befinden sich viele linke Frauen und Queers in einem ständigen Beziehungskampf um Anerkennung, begehbare Räumlichkeiten und um ein soziales Netzwerk, in dem sie sich einfach nur sicher aufhalten können. Diesen Kampf führen sie nicht selten sogar gegeneinander.

Der Widerspruch zwischen antisexistischem Selbstbild und sexistischer Lebenspraxis liegt auch an der massiven Unterschätzung der Tiefe, mit der sich sexistische Gesellschaftsstrukturen in Denken, Fühlen und Handeln von uns allen eingraben. Auch eine weitgehende Unaufgeklärtheit über psychologische Grundlagen stellt ein Hindernis dar, um von progressiver Selbstinszenierung zu einem Handeln fortzuschreiten, das sexistische Normalitäten wirklich transformieren kann.

Diese Diagnose bezieht sich ausdrücklich auch auf den sich als feministisch wähnenden Teil der Szene: mit Konzepten wie einer „sexualisierten Gewalt“, in der man keinerlei Sexualität, jedoch ausschließlich männliches Machthandeln zu erkennen glaubt, werden realistische Gegenkonzepte verunmöglicht. Entweder, sexistisches Handeln gilt als dermaßen dämonisch, dass man seinen Freunden, Bekannten und sich selbst solche Vorwürfe nicht zumuten möchte – oder, grenzüberschreitende Personen werden als dermaßen dämonische Täter stigmatisiert, dass ihr angestrebter Ausschluss aus der Szene vorwiegend der Gesichtswahrung der „antisexistischen“ Kreise dient.

So werden Betroffene faktisch allein gelassen und die Mitschuld der Szene an einem Sündenbock gesühnt, dem man sich mitsamt der eigenen Verantwortungpraktischerweise entledigen kann. Allein: in den meisten Fällen gelingt dieses Anliegen dann nicht einmal, wodurch der Schaden für Betroffene umso größer wird und zu einem eklatanten Vertrauensverlust in soziale Beziehungen führt.

 

Im Vortrag sollen psychologische und soziologische Grundlagen hinter Phänomenen wie sexueller und sexualisierter Gewalt geschärft und die besondere Bedeutung von Männern herausgearbeitet werden. Es wird sich zeigen, dass die Widersprüche, die die DNA des Konzepts der Männlichkeitbilden, notwendig und immer wieder zu Angriffen auf Frauen, Trans, Schwule, Lesben, Nichtbinäre usw. führen müssen. Besonders perfide: derlei Angriffe werden oft nicht mal bewusst als solche geplant und durchgeführt, sondern ergeben sich unterhalb der Schwelle des Bewusstseins aus einer archaischen Normalität, der niemand von uns gänzlich zu entfliehen vermag.

Im Vortrag wird darum für eine antisexistische Praxis plädiert, die Konsensualität für alle Lebensbereiche vorschreibt und gelingende Beziehungsarbeit und vorausschauende Verantwortung in Beziehungsnetzwerken gegenüber Awareness-und Unterstützer*innengruppen vorzieht. Das Bild des Täter-Dämons müsste dann ersetzt werden durch die Einsicht in die tiefe persönliche Verstrickung, die wir alle mitbringen – als selber grenzüberschreitende Person einerseits und als sozialer Faktor andererseits, als der wir die Übernahme von Verantwortung hemmen und abwehren. Sei es, weil wir Täter schützen oder sei es, weil wir sie zur Hölle jagen wollen.