Statement AZ Kim Hubert

Am 20.11.2025 wurde auf Indymedia der Text „Call Out: AZ Salzwedel – Täterschutz & entfesseltes Patriarchat“(https://de.indymedia.org/node/553862) veröffentlicht, der den Umgang mit einer Betroffenen Person von der Struktur und (ehemalig aktiven, sowie aktiven)
Einzelpersonen des AZ Kim Hubert in Salzwedel darstellt und zu Recht kritisiert. Am 18.12.2025 wurde ein weiterer Text auf Indymedia “Was im AZ Salzwedel im Monat seit dem Call Out passiert ist: (fast) nichts“ (https://de.indymedia.org/node/561438) veröffentlicht, der das Verhalten nach dem Outcall darstellt, zusammenfasst und Kritik daran übt.

Zunächst erkennen wir die Beschreibung und Geschehnisse in den beiden Texten als real/wahr und so passiert an.
In den zwei letzten Jahren wurden in verschiedenen Gruppen-Konstellationen immer wieder Alleingänge unternommen, anstatt sich Support und Wissen von außen zu holen. Patriarchale Haltung und Blick führten zu Verletzungen der betroffenen Person. Außerdem haben sich Gruppen abseits des Hausplenums gebildet, in deren Existenz viele Aktive des Projekts nicht eingeweiht waren.
Wir wollen die Transparenz, welche Gruppen im Namen des Hauses agieren, innerhalb unserer eigenen Struktur wieder aufbauen.

Wir stehen in Kontakt mit der betroffenen Person, welche auf dem Laufenden gehalten wird, was im AZ passiert und wie unsere Prozesse vorangehen.
Mit diesem Text wollen wir unsere Aktuellen Prozesse nicht verschönert darstellen, sondern ein realistisches Bild zeichnen.

Wir finden es nicht in Ordnung, wenn die betroffene Person aufgrund
der Veröffentlichung des Callouts verletzende Nachrichten oder Begegnungen erfährt. Die betroffene Person trägt keine Schuld, was dieser in der Zeit widerfahren ist, sondern die Menschen, die dieses Leid bei der betroffenen Person auslösten. Die Veröffentlichung des Callouts hat
uns alle auf den gleichen „Kenntnissstand“ gebracht, so konnten wir erfahren, welche Vorkommnisse wann passierten.

Für unsere Struktur ist der Callout eine Chance, zu lesen und selbst zu erkennen, wo wir verletzt und uns (die Personen, die zu der Zeit vor Ort waren,) falsch verhalten haben. Er ist eine Chance, ein safer place zu werden.
Ein Projekt, in dem sich betroffene Personen wieder wohlfühlen und mitgestalten können. Und es ist eine Chance, dass alle Aktiven des Projektes dazulernen und sensibler im Umgang miteinander werden.

Um die Feiertage im Dezember herum, fand ein Treffen statt, das erneut verletzend für die betroffene Person war. Was wir nun verstehen. Die Einladung zu einer „Vollversammlung“ wurde auch an unsolidarische Personen gesandt. Dies machte es der betroffenen Person unmöglich dort hinzugehen, da keine Art von sicherem Raum gegeben war.

Der erste Gedanke, sich mit den Personen, die einst im AZ aktiv waren und uns in unserem Prozess unterstützen könnten, zu treffen, hörte sich erst gut an. Ein Treffen, durch welches neuere Personen, ehemals Aktive kennenlernen können. All dies geriet fälschlicher Weise in den Vordergrund. Doch es waren Personen eingeladen, die in den Gruppen arbeiteten, die im Callout genannt wurden und somit zu Verletzungen der betroffenen Person beitrugen.

Diese Versammlung in dieser Form abzuhalten war falsch. Solidarische Personen, die sich trotz großer Zweifel und Sorge zu dem Treffen begaben, teilten uns dies auch mit. Wir müssen als jetzige Aktive einen eigenen Weg finden. Nicht die Fehler wiederholen, alles irgendwie „do it yourself“ hinbekommen zu wollen und sich keine professionelle Hilfe von
außen zu suchen.

In der nächsten Zeit kamen Hilfsangebote von externen Personen, um mehr über den Umgang mit Betroffenen sexualisierter Gewalt zu lernen, die Einzelpersonen wahrnahmen und wahrnehmen.

In dieser Zeit fand nur unregelmäßiger Chatkontakt zwischen dem Plenum und der betroffenen Person statt. Dieser Kontakt war nicht ausreichend oder transparent genug. Die Vorkommnisse wurden nicht regelmäßig beschrieben und wenn, meistens ohne Einordnung. Unsere Nachrichten
enthielten zu viele Entschuldigungen und Lippenbekenntnisse.
Heute ist uns bewusst, dass unser Handeln hier am meisten zählt.

Im Januar und Februar hielten wir 2 der halbjährigen (Tages-) Strukturplena ab. Darin beschäftigten wir uns erstmals mit den Forderungen, die in dem Callout stehen.

Aus zwei der Forderungen haben wir erkannt, dass wir eine gemeinsame festgehaltene Basis brauchen, die absteckt, was für einen Raum wir schaffen wollen und was unser Grundkonsens beinhaltet. Wir erarbeiten also ein Selbstverständnis. Dazu treffen wir uns fast monatlich mit einer externen Person, die diesen Prozess moderiert und uns hilft, unsere Interessen zusammenzuführen. Das Arbeiten am Selbstverständnis ist eine
unserer Prioritäten im Moment. Dadurch wollen wir auch Fokus auf den Umgang miteinander legen. Wir versuchen, Strukturen für ein umsichtigeres und gewaltpräventiveres Miteinander aufzubauen.

In den Monaten davor bemühten wir uns um Treffen mit Mitgliedern des “Jugendkollektiv Salzwedel”, moderiert durch dieselbe Person, die auch das Selbstverständnis später mit uns erarbeitet. Diese Treffen wurden angestoßen, um über die strukturellen Verletzungen in dem Zeitraum rund um die Demo, die die Gruppe “Antifa Salzwedel” im Sommer organisierte, zu reden. Durch schwammige Kommunikation des JKS, unsere Prioritätensetzung bzgl des Outcalls fanden wir einen Entschluss. Die Zusammenarbeit mit dem JKS (, wenn diese jemals existierte,) ist bis auf Weiteres ausgeschlossen und mit autoritären Gruppen grundsätzlich abgelehnt.

Der Forderung des Callouts, welche die damals geltende Hausverbotsregelung kritisiert, sind wir nachgegangen. Es gibt also kein temporäres Hausverbot mehr und auch keins, das von (gewaltausübenden) Personen persönlich auf dem Hausplenum angefochten werden kann.
Personen, die Hausverbot haben, bleiben vor der Tür. Es ist ein Beschluss, der den betroffenen Personen grundsätzlich ermöglichen soll, das Eingangstor hinter sich zu schließen und die Gefahr bzw. die gewaltausübende Person draußen zu lassen.

Des Weiteren hat sich eine Gruppe aus dem Strukturplenum gebildet, die nun dabei ist einen “Leitfaden zum Umgang mit Betroffenen” zu erarbeiten.

Für April wurde ein Konzert geplant, da Oidorno an uns ran trat, noch dazu wurden weitere feministische Bands angefragt. Einige Leute knieten sich sehr in die Planung des Konzerts, neuere Leute hatten richtig Bock auf das Konzert im AZ. Ein paar Wochen davor merkten wir, auch dadurch, dass Personen von außen an uns herantraten,  dass unser Agieren nicht in Ordnung ist. Wir veranstalten ein Konzert, eine Party mit feministischen Bands, während die betroffene Person das Projekt nicht betreten kann und so noch weiter sozial isoliert wird. Wir entschieden, keine weiteren Veranstaltungen mehr stattfinden zu lassen, auf denen gefeiert und Party gemacht wird, bis die betroffene Person sich wieder wohlfühlen kann, das AZ zu betreten, bzw. ein Teil davon sein und mitgestalten kann. Damit wollen wir keinesfalls Druck auf die betroffene Person ausüben, sondern den Fokus auf einen sichereren Raum und eine sicherere Struktur legen.

Zeitgleich erreichte uns ein Brief der Entsolidarisierung, der auf die soziale
Isolation der betroffenen Person, unter anderem durch das Konzert, hinwies und weitere Unterstützung verweigerte, bis sich die betroffene Person wieder im Haus wohlfühlen und partizipieren kann.

Wir begannen also unsere Prioritäten anders zu strukturieren und neben dem
Selbstverständnis weitere interne Prozesse anzustoßen. Das Klima auf dem Plenum änderte sich, da immer mehr Menschen die Wichtigkeit unseres Handelns für die betroffene Person verstanden.

Unser Ziel ist es, dass die Struktur zukünftig besser auf solche Vorfälle vorbereitet und handlungsfähig ist.

Die Woche darauf einigten wir uns eine externe Beratung anzufragen.
Ein erstes Treffen zum Kennenlernen und Möglichkeiten zu besprechen fand statt.

Darauf folgte ein erstes richtiges Update für die betroffene Person vom Plenum aus. Auf dem Plenum bildete sich in Absprache mit der betroffenen Person eine Kontaktgruppe, die zwischen dem Hausplenum und der betroffenen Person Updates gibt. Das macht die Kommunikation persönlicher und die betroffene Person kann neuere Personen aus dem AZ gleich besser kennenlernen.
Durch das erste Treffen zwischen Kontaktgruppe mit der betroffenen Person, konnte diese das AZ erstmals wieder betreten.

Seit Anfang April haben wir als Hausplenum die Entscheidung getroffen, zwei Personen, die auch in dem Callout explizit mit ihrem verletzenden Verhalten beschrieben wurden, nur noch in Absprache mit dem Plenum das AZ betreten zu lassen. Die Intransparenz darüber, dass sie der ersten Gruppe zugehörig waren, die gegenüber der betroffenen Person so verletzend arbeitete, ließ das Vertrauen der neueren Personen in der Struktur schwinden. Wir tragen als Projekt die Forderung der betroffenen Person mit: In Worten des Callouts: „Aufarbeitung der fortgesetzten Gewalt gegen die betroffene
Person durch die „Bearbeitungsgruppe“(…)“.
Des Weiteren wollen wir, dass sich diese zwei Personen eine externe Prozessbegleitung bezüglich ihrer Intransparenz, täter*innenschützenden und betroffenenverletzenden Verhaltens suchen.

Wir sprechen hiermit unsere Solidarität mit der betroffenen Person aus, auch wenn wir gerade erst immer mehr lernen, was es genau heißt, wirklich solidarisch zu sein und dies in unserem Handeln zu leben. Wir wollen keine Lippenbekenntnisse mehr abgeben und uns damit beschäftigen, was bei uns auf struktureller Ebene verletzend war. Auch wollen wir uns als Einzelpersonen dafür sensibilisieren, patriarchale Strukturen, gewaltvolles Handeln zu erkennen und zu hinterfragen. Wir wollen parteiisch an der Seite
von Betroffenen stehen. Uns ist bewusst, dass uns dieser Prozess lange begleiten wird und ein ständiges Aushandeln, bzw. Hinterfragen bedeutet.

Unser Ziel ist es, das AZ KH zu einem sichereren Raum werden zu lassen. Die betroffene Person soll sich wieder wohl fühlen, das Projekt betreten und mitgestalten können. Zudem wollen wir, dass das AZ ein angenehmerer Ort wird.

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